Chiptuning: Was bringt es wirklich?

Viele Autoliebhaber, die die Leistung ihres Fahrzeugs erhöhen möchten, entscheiden sich früher oder später für Chiptuning. Gleichzeitig handelt es sich hierbei um ein Thema, bei dem die Meinungen auseinandergehen. Denn während manche das berühmte „Kribbeln im Bauch“ beim Beschleunigen genießen, fürchten andere, dass sich Chiptuning negativ auf den Motor, die Garantie und die Zulassung auswirken kann.

Aber worauf sollten diejenigen, die sich für dieses Mehr an Leistung interessieren, achten? Und welche rechtlichen Aspekte gilt es, zu beachten? Die folgenden Abschnitte liefern Antworten auf diese und weitere Fragen.

Was ist Chiptuning?

Beim Chiptuning wird die Software im Motorsteuergerät des Fahrzeugs verändert. Wichtige Faktoren – etwa Einspritzmenge, Zündzeitpunkt und Drehmoment-Begrenzung –, die das Fahrverhalten beeinflussen, werden bei vielen modernen Autos mittlerweile fast komplett elektronisch gesteuert. Und genau an dieser Stelle setzt Chiptuning an, wenn es darum geht, vom Hersteller gesetzte Werte zu verschieben. Hier geht es jedoch nicht darum, neue Teile einzubauen, sondern vielmehr darum, das Potenzial des Motors, zu nutzen und die Abstimmung „ab Werk“ zu verändern.

Wie funktioniert Chiptuning im Motorsteuergerät?

Das Motorsteuergerät gilt als zentrales Element moderner Antriebssysteme. Seine Aufgabe ist es vor allem, Sensordaten in Echtzeit zu verarbeiten und den Motorbetrieb zu steuern. Hierzu wird die Originalsoftware ausgelesen, analysiert und angepasst… manchmal direkt über die Diagnoseschnittstelle und manchmal über den Ausbau des Steuergeräts.

Anpassungen dieser Art können dann unter anderem den Ladedruck (bei Turbomotoren) oder die Drehmomentbegrenzung betreffen. Wichtig ist es in jedem Fall, sicherzustellen, dass nicht nur ein Bereich angepasst, sondern alles aufeinander abgestimmt wird. Nur so lässt sich, zum Beispiel in Bezug auf Chiptuning beim BMW, die Basis für ein verlässliches Laufverhalten schaffen.

Welche Leistungssteigerung ist realistisch?

Welche Leistungssteigerung realistisch ist, ist immer auch vom jeweiligen Motortyp abhängig. Gerade im Zusammenhang mit turbogeladenen Benzin- und Dieselmotoren scheinen die Möglichkeiten oft besonders überzeugend. Hier lässt sich der Ladedruck vergleichsweise flexibel anpassen. Je nach Ausgangsleistung ist hier oft ein Leistungszuwachs von bis zu 30% möglich. Bei Saugmotoren ist der Effekt hingegen meist etwas überschaubarer.

Vielen Autofans geht es jedoch beim Chiptuning nicht nur um die Motorleistung, sondern auch um das Drehmoment. Positive Veränderungen der Leistung sollen wahrgenommen werden. Oder anders: Sie möchten erreichen, dass ihr Auto „besser zieht“.

Vorteile von Chiptuning

Die Vorteile von Chiptuning zeigen sich auf verschiedenen Ebenen. Mit den entsprechenden Techniken ist es oft möglich, dafür zu sorgen, dass der Motor direkter reagiert, das Fahrzeug besser beschleunigt und es möglich ist, schneller (auch aus unteren Drehzahlen heraus) zu überholen.

Und interessanterweise verändert sich bei manchen Fahrzeugen und bei einer angepassten Fahrweise auch der Kraftstoffverbrauch. Der Grund: Der Motor arbeitet, je nach Chiptuning, effizienter.

Dieser Effekt lässt sich jedoch nicht immer beobachten. Seriöse Tuner zeigen genau auf, welche Auswirkungen Chiptuning haben kann und wie es möglich ist, die jeweiligen Vorteile mit einer angepassten Fahrweise zu nutzen. Sie unterstreichen damit einmal mehr, dass es modernes Tuning geschafft hat, sich von seinem ehemaligen Image rund um illegale Autorennen zu verabschieden und neue, rechtlich unbedenkliche Wege zu gehen.

Risiken und mögliche Nachteile von Chiptuning

Auch wenn Chiptuning durchaus einige Vorteile bieten könnte, ist es wichtig, auch die potenziellen Nachteile nicht außer Acht zu lassen. Da das Chiptuning die Kennfelder eines Wagens verändert, steigt automatisch die thermische und mechanische Belastung des Motors und der Antriebskomponenten. Vor allem Bauteile wie der Turbolader, die Kupplung und das Getriebe werden oft stärker beansprucht.

Wer sich für einen unseriösen Anbieter entscheidet, setzt seinen Wagen weiteren Risiken aus. Autobesitzer müssen sich in einem solchen Fall häufig im Nachhinein über einen unruhigen Motor, einen erhöhten Verschleiß und im Extremfall sogar über einen Motorschaden ärgern. Umso wichtiger ist es, von vornherein ausschließlich mit vertrauenswürdigen Anbietern zusammenzuarbeiten.

Rechtliche Lage: TÜV, Versicherung und Garantie

Aufgrund der Tatsache, dass es das eine klassische Chiptuning nicht gibt, gestaltet sich die rechtliche Situation rund um Chiptuning komplex. Wichtig ist es, in jedem Fall im Hinterkopf zu behalten, dass jede Art von Chiptuning genehmigt werden muss. Existiert kein Gutachten bzw. keine Eintragung in den Autopapieren, erlischt die Betriebserlaubnis des Wagens. Spätestens bei Verkehrskontrollen oder einem Unfall kann dies für die Halter extrem problematisch werden.

Zudem muss die Versicherung über das Chiptuning informiert werden. Ansonsten besteht die Möglichkeit, dass die Leistung im Schadensfall gekürzt wird.

Und auch nicht alle Hersteller stehen dem Thema „Chiptuning“ offen gegenüber. Manche schließen explizit Schäden, die im Zusammenhang mit Veränderungen an der Software stehen, von der Garantie aus.

Chiptuning vs. Powerbox – Wo liegen die Unterschiede?

Wer sich auf der Suche nach einer Alternative zu Chiptuning befindet, stößt vergleichsweise schnell auf Powerboxen. Hierbei handelt es sich um Module, die zwischen Sensoren und Motorsteuergerät gesteckt werden und die Aufgabe haben, die eingehenden Signale zu verändern. Infolgedessen erhält das Motorsteuergerät falsche Werte und passt die Motorsteuerung an.

Besonders praktisch ist es, dass Powerboxen einfach installiert und wieder rückstandslos entfernt werden können. Ihr Eingreifen erweist sich allerdings als weniger präzise, als es im Rahmen der softwarebasierten Anpassung der Fall ist.

Fazit

Chiptuning trägt das Potenzial in sich, die Leistungscharakteristik (und damit auch das Fahrverhalten) eines Autos spürbar zu verändern. Realistische Erwartungen, die Zusammenarbeit mit einem seriösen Anbieter und der Fokus auf rechtliche Aspekte sind allerdings wichtig, wenn es darum geht, seinen Fahrspaß auf diese Weise zu unterstützen. Am Ende entscheidet jeder selbst, ob er Chiptuning oder ähnliche Eingriffe als individuelle Modifikation nutzen möchte, um noch ein wenig mehr aus seinem Wagen herauszuholen.